Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Weisheit’

…philosophieren Zhuangzi  und Hui Shi:

Die Philosophen Dschuang Dsi und Hui Dsi gingen einst am Ufer eines Flusses spazieren. Sie sahen dem Spiel der Fische zu. 
Dschuang Dsi sagte: ‚Sieh nur, wie die Forellen dort aus dem Wasser springen. Das ist eine Freude für sie‘. 
Darauf sprach Hui Dsi: ‚Du bist kein Fisch, wie willst Du denn die Freude der Fische kennen?‘  
‚Und wieso kannst Du wissen‘, entgegnete ihm Dschuang Dsi, ‚der Du doch nicht ich bist, dass ich die Freude der Fische nicht kenne?‘

Hui Dsi sprach: ‚Ich bin nicht Du, so kann ich Dich allerdings nicht erkennen. Nun bist Du aber sicher kein Fisch, und so ist es klar, dass Du nicht die Freude der Fische kennst.‘
Dschuang Dsi sprach: ‚Bitte lass uns zum Ausgangspunkt zurückkehren! Du hast gesagt: Wie kannst Du denn die Freude der Fische erkennen? Dabei wusstest Du ganz gut, dass ich sie kenne, und fragtest mich dennoch. Ich erkenne die Freude der Fische aus meiner Freude beim Wandern am Fluß.‘     http://de.wikipedia.org/wiki/Zhuangzi
Na, wenn der Fischer sich da mal nicht täuscht, wenn er meint, dass die Bachforellen zu seiner Begrüßung so fröhlich springen, mir sieht’s mehr nach einem Fluchtversuch aus. 😉


Dschuang Dsi. Das wahre Buch vom südlichen Blütenland, Nan Hua Dschen Ging aus dem chinesischen verdeutscht und erläutert (1912)

.

Noch ein bisschen mehr von Fischen. Ich mag dieses Video sehr,  auch wenn hier keine Fische springen. 🙂

.#

  😉

 

Read Full Post »

Ich liebe Märchen. Mucksmäuschenstill war ich, wenn meine Mutter erzählte. Auf meinen Bildern wimmelte es damals von Feen und Hexen und großen Schlössern. Seit ich nun im weltweiten Netz stöbere, freue ich mich über jede Geschichte, die ich noch nicht kenne und stelle mir gern Kinder vor, die mit der gleichen Begeisterung heute den Märchen lauschen wie ich damals und …die ihnen hoffentlich kein Computer erzählt!
Diesmal habe ich eine mexikanische Geschichte gefunden:


Wer ist der Weiseste?


Es lebte einmal ein starker und mächtiger und des Zaubers kundiger Häuptling, der hatte zwei Söhne. Und den älteren von den beiden lehrte er, sich in einen Adler verwandeln, den Jüngern aber lehrte er, sich in einen Koyoten zu verwandeln. Und durch seinen Zauber und durch die Kunst seiner Söhne wurde sein Stamm reich und mächtig.

Als der Häuptling aber alt war, erhob sich die Frage, wer von seinen beiden Söhnen einmal sein Nachfolger werden und seinen Platz im Rat der Alten einnehmen solle.
Und nachdem sich die Krieger gesammelt hatten, die den Rat des Stammes ausmachten, ließ man auch die beiden Brüder rufen, um zu prüfen, wer von ihnen beiden weiser sei.
Und einer der Alten fragte:
»Seid ihr bereit, eine Probe eures Scharfsinns und eurer Weisheit abzulegen?«
»Wir sind es.«
»Nun, ihr seid beide weise und in zauberischen Künsten gut ausgebildet. Wem von euch es gelingt, vor dem andern die Welt zu umrunden, der soll als Nachfolger eures Vaters angesehen werden. Verwandelt euch in eure Gestalten, und dann – auf mein Zeichen macht euch auf den Weg!«
»Nun, bei dieser Aufgabe wird mein Bruder im Nachteil sein, denn ich kann mich in die Luft erheben und schneller sein«, sagte der Altere.
»Es wird sich zeigen.«

Die beiden Brüder verwandelten sich also in die Tiere ihres Zeichens, in einen Adler und in einen Koyoten. Und auf ein Zeichen des Alten erhob sich der Adler in die Luft und flog in Richtung Westen davon.
»Nun, was ist mit dir?« fragte der Ratsälteste den Koyoten. » Willst du dich nicht auch auf den Weg machen?«
Aber der Koyote blinzelte nur den Sprecher an, wedelte mit dem Schwanz und legte sich bequem nieder. Niemand sprach mehr. Nach einer Weile erhob sich der Koyote und ging gemächlich um den Kreis der Alten herum, dann legte er sich wieder nieder .
Am nächsten Morgen erschien mit dem Aufgang der Sonne ganz ermattet der Ältere, den kaum mehr seine Flügel trugen, und ließ sich im Kreis der Alten nieder .
»Nun?« rief er triumphierend aus, »bin ich der Erste oder nicht? Und bin ich damit der Weiseste oder nicht?«
»Wir wollen erst deinen Bruder hören«, sagte der Älteste und wandte sich an den Koyoten,
»sag mir, warum hast du dich gar nicht auf den Weg gemacht? Wolltest du damit deine Unterlegenheit gegenüber dem Bruder zugeben?«
Da verwandelte der Koyote sich wieder in einen Menschen und sagte:
»Bin ich nicht einmal um euch herumgegangen?«
» Ja, und. ..?«
»Für einen Krieger ist der Rat der Alten seine Welt.«
Da erhoben sich die Alten und sagten: »Er ist der Weiseste.«
Und so wurde der Jüngere der Nachfolger des Vaters und nicht der Ältere.

Märchen aus Mexiko
________________________

Read Full Post »

Ich las gerade in unserem Käseblatt ein Interview mit Opernregisseur Willy Decker, dem neuen Intendanten der Ruhrtriennale. Schwerpunkt seiner Arbeit während dieser drei Jahre soll die Religion sein. Nach seinem Ziel befragt, antwortet er, dass er es problematisch findet, zu früh ein Ziel zu formulieren und beendet das Interview mit diesem Satz eines alten Zenmeisters:

„Wenn ich liege, liege ich, und wenn ich stehe, stehe ich, und wenn ich gehe, gehe ich. Du, wenn du liegst, stehst du schon, wenn du stehst, gehst du schon, und wenn du gehst, bist du schon am Ziel.“


Wie ich finde, sehr kluge Worte, nur nicht leicht zu befolgen, in einer Zeit, in der wir so sehr nach Plan leben. Seine Worte erinnern mich auch an diese sehr ähnliche Geschichte:

Es kamen einmal ein paar Suchende zu einem alten Zenmeister.
“Herr”, fragten sie “was tust du, um glücklich und zufrieden zu sein? Wir wären auch gerne so glücklich wie du.”
Der Alte antwortete mit mildem Lächeln: “Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich.”
Die Fragenden schauten etwas betreten in die Runde. Einer platzte heraus: “Bitte, treibe keinen Spott mit uns. Was du sagst, tun wir auch. Wir schlafen, essen und gehen. Aber wir sind nicht glücklich. Was also ist dein Geheimnis?”
Es kam die gleiche Antwort: “Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ist und wenn ich esse, dann esse ich.”
Die Unruhe und den Unmut der Suchenden spürend fügte der Meister nach einer Weile hinzu: “Sicher liegt auch ihr und ihr geht auch und ihr esst. Aber während ihr liegt, denkt ihr schon ans Aufstehen. Während ihr aufsteht, überlegt ihr, wohin ihr geht und während ihr geht, fragt ihr euch, was ihr essen werdet. So sind eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo ihr gerade seid. In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.”
(unbekannte Quelle)

Gespräch mit Willy Decker über “Das Wort „Religion“ müssen wir diskutieren”
http://www.welt.de/wams_print/article3665925/Das-Wort-Religion-muessen-wir-diskutieren.html

_______________________

Read Full Post »