Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Gedicht’

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird,
wenn es anders wird;
aber so viel kann ich sagen, es muß anders werden,
wenn es gut werden soll.

Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), 
deutscher Physiker

neujahrProgramm: Apophysis 7X.15B


Man nehme 12 Monate,

putze sie ganz sauber von Bitterkeit,
Geiz, Pedanterie und Angst,

und zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Teile,
so dass der Vorrat genau für ein Jahr reicht.

Es wird ein jeder Tag einzeln angerichtet
aus einem Teil Arbeit
und zwei Teilen Frohsinn und Humor.

Man füge drei gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu,
einen Teelöffel Toleranz,
ein Körnchen Ironie und eine Prise Takt.

Dann wird das Ganze
sehr reichlich mit Liebe übergossen.

Das fertige Gericht schmücke man
mit einem Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten
und serviere es täglich mit Heiterkeit!

Katharina Elisabeth Goethe (1731-1808),
Mutter v. Johann Wolfgang von Goethe

Advertisements

Read Full Post »

Programm: Apophysis 7X.15B
.

Auf einmal mußte ich singen…
Und ich wußte nicht warum.
Doch abends weinte ich bitterlich.

Es stieg aus allen Dingen
Ein Schmerz und der ging um –
Und legte sich auf mich.

Stürmische Wolkendepeschen
Erschreckend den Weltenraum;
Und die Beeren der Ebereschen
Die winzigen Monde am Baum.

Else Lasker-Schüler (1869 – 1945)
Annäherung an eine Biographie

Read Full Post »

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
sind Schlüssel aller Kreaturen,
wenn die, so singen oder küssen
mehr als die Tiefgelehrten wissen,
wenn sich die Welt ins freie Leben
und in die Welt wird zurückbegeben,
wenn dann sich wieder Licht und Schatten
zu echter Klarheit werden gatten
und man in Märchen und Gedichten
erkennt die wahren Weltgeschichten,
dann fliegt vor einem geheimen Wort
das ganze verkehrte Wesen fort.
Novalis (1772 – 1801)  aus „Heinrich von Ofterdingen“

Read Full Post »

.

Nein, ich vergesse dich nicht,
was ich auch werde,
liebliches zeitiges Licht,
Erstling der Erde.

Alles, was du versprachst,
hat sie gehalten,
seit du das Herz mir erbrachst
ohne Gewalten.

Flüchtigste frühste Figur,
die ich gewahrte:
nur weil ich Stärke erfuhr,
rühm ich das Zarte.

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)

.

Read Full Post »

Abenddämmerung
Sonnenuntergang Okt.2012_1687.

Eine runzelige Alte,
schleicht die Abenddämmerung,
gebückten Ganges
durchs Gefild
und sammelt und sammelt
das letzte Licht
in ihre Schürze.
 .
Vom Wiesenrain,
von den Hüttendächern,
von den Stämmen des Walds,
nimmt sie es fort.
Und dann
humpelt sie mühsam
den Berg hinauf
und sammelt und sammelt
die letzte Sonne
in ihre Schürze.
 .
Droben umschlingt ihr
mit Halsen und Küssen
ihr Töchterchen Nacht
den Nacken
und greift begierig
ins ängstlich verschlossene
Schurztuch.
 .
Als es sein Händchen
wieder herauszieht,
ist es schneeweiß,
als wär es mit Mehl
rings überpudert.
 .
Und die Kleine,
längst gewitzt,
tupft mit dem
niedlichen Zeigefinger
den ganzen Himmel voll
und jauchzt laut auf
in kindlicher Freude.
Ganz unten aber
macht sie einen großen,
runden Tupfen –
das ist der Mond.
 .
Mütterchen Dämmerung
sieht ihr mit mildem
Lächeln zu.
Und dann geht es
langsam
zu Bette.
Christian Morgenstern – In Phanta’s Schloß

Read Full Post »

Edward

Dein Schwert, wie ist’s von Blut so rot?
Edward, Edward!
Dein Schwert, wie ist’s von Blut so rot,
Und gehst so traurig her? – O!

O ich hab geschlagen meinen Geier tot,
Mutter, Mutter!
O ich hab geschlagen meinen Geier tot,
Und keinen hab ich wie Er – O!

Dein’s Geiers Blut ist nicht so rot,
Edward, Edward!
Dein’s Geiers Blut ist nicht so rot,
Mein Sohn, bekenn mir frei – O!

O ich hab geschlagen mein Rotroß tot,
Mutter, Mutter!
O ich hab geschlagen mein Rotroß tot.
Und ’s war so stolz und treu – O!

Dein Roß war alt und hast’s nicht not,
Edward, Edward!
Dein Roß war alt und hast’s nicht not,
Dich drückt ein ander Schmerz – O!

O ich hab geschlagen meinen Vater tot,
Mutter, Mutter!
O ich hab geschlagen meinen Vater tot,
Und weh, weh ist mein Herz – O!

Und was für Buße willt du nun tun?
Edward, Edward!
Und was für Buße willt du nun tun?
Mein Sohn bekenn mir mehr – O!

Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn,
Mutter, Mutter!
Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn,
Will gehn fern übers Meer – O!

Und was soll werden dein Hof und Hall?
Edward, Edward!
Und was soll werden dein Hof und Hall?
So herrlich sonst und schön – O!

Ich laß es stehn, bis es sink und fall,
Mutter, Mutter!
Ich laß es stehn, bis es sink und fall,
Mag nie es wieder sehn – O!

Und was soll werden dein Weib und Kind?
Edward, Edward!
Und was soll werden dein Weib und Kind,
Wann du gehst über Meer? – O!

Die Welt ist groß, laß sie bettlen drin,
Mutter, Mutter!
Die Welt ist groß, laß sie bettlen drin,
Ich seh sie nimmermehr – O!

Und was willt du lassen deiner Mutter teur?
Edward, Edward!
Und was willt du lassen deiner Mutter teur?
Mein Sohn, das sage mir – O!

Fluch will ich Euch lassen und höllisch Feur,
Mutter, Mutter!
Fluch will ich Euch lassen und höllisch Feur,
Denn Ihr, Ihr rietet’s mir! – O!

von Johann Gottfried Herder (1744-1803)
Das schottische Original findet Ihr unter dem Video bei YouTube.

Read Full Post »

Ferdinand Freiligrath hat Robert Burns‘ Gedicht von 1795: „A Man’s  a Man for A‘ That“ zum ersten Mal 1843 unter dem Titel „Trotz alledem“  ins Deutsche übertragen. Die erste Zeile lautete: „Ob Armuth euer Loos auch sei“.  Im Zuge der Märzrevolution folgte 1848 eine zweite Nachdichtung mit diesem Anfang: „Das war ’ne heiße Märzenzeit, trotz Regen, Schnee und alledem“.

Ausführlich wird die Geschichte dieses Robert Burns‘ Liedes und seiner Nachdichtung im Historisch-kritischen Liederlexikon beschrieben.
.


.

Ed Miller berichtet zu Beginn seines Vortrags von der bewegenden Eröffnung des  Schottischen Parlaments am 1. Juli 1999, bei der Sheena Wellington dieses Lied sang:
.

.

Engl. Text:  http://celtic-lyrics.com/lyrics/8.html
Dt. Text (1848):  http://www.volksliederarchiv.de/text2535.html
Neuester dt. Text von Hannes Wader:  http://www.songtextemania.com/trotz_alledem_iii_songtext_hannes_wader.html

Read Full Post »

Older Posts »