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Archive for the ‘Humor’ Category

Ich lese ihn zu gern. Heute habe ich unter Peter Panter diese herrliche Gebrauchsanweisung gefunden:

Peter Panter
– „Gebrauchsanweisung“
Vossische Zeitung, 10.10.1930, Nr. 478.

Erfahrungen vererben sich nicht – jeder muß sie allein machen. Jeder muß wieder von vorn anfangen … Nun fängt ja keiner ganz von vorn an, weil in jedem Menschen vielerlei Erfahrungen aufgestapelt sind: zwei Großväter,
vier Urgroßväter, achtzehn alte Onkel, dreiundzwanzig Tanten, Ur-Ur-Ur-Ur-Ahnen … das trägst du alles mit dir herum. Und manchmal, wenn du grade einen Entschluß faßt, dann entscheidet in Wahrheit dein im Jahre 1710 gestorbener Ur-Ur-Ur-Ur… Adolf Friedrich Wilhelm Panter, geb. 1675 in Bückeburg – der entscheidet, was du tust. Du gehst nachher herum und sagst: »Ich habe mich entschlossen…«

Erfahrungen vererben sich selten. Die katholische Kirche hat da so eine Art Erfahrungsschatz aufgespeichert, den sie ihren Adepten, mehr oder minder symbolisch, abgibt – sie profitiert sehr davon. Man kann da viel lernen, wenn man da etwas lernen kann. Aber zum Beispiel bei der Erziehung…

Da haben unsre Väter gesagt: »Hör auf mich – ich bin ein alter erfahrener Mann …« Nun, wir haben nicht gehört. Ob zum Schaden oder zum Nutzen,
ist eine andre Sache – aber gehört haben wir nicht. Jeder will sich seinen Schnupfen allein holen.

Das kann ihm aber auch keiner verdenken. Es gibt so wenig gute Anleitungen … Da haben wir nun Bücher, wie man das Autofahren lernt,
wie man Bienen züchtet und Küchenpetersilie zieht; wie man sich zum Gewerbeschullehrer-Examen vorbereitet… für alles das gibt es sehr brauchbare und handliche Werke. Nur, wie man sich mit seinen Mitmenschen am besten verhält – da gibt es weniger brauchbare Bücher.

Es gibt ganze Waschkörbe voll – aber das Zeug ist meist nicht zu brauchen. Diese Bücher moralisieren; sie sagen, wie es sein sollte – nicht: wie es
wirklich ist. Das ist sehr schade – hier fehlt etwas.

Die deutsche Literatur ist in diesem Punkt merkwürdig schwach. Oder kenne ich diese verborgenen Schätze nicht…? Ich lasse mich gern belehren. Im Französischen gibt es da sehr schöne Sachen – besonders aber im Englischen, das sind ja Leute von großer praktischer Lebensweisheit. Wir haben viel Theoretisches, sehr viel Moralistisches – aber wenig gute klare und kurze Kompendien darüber, wie es so im menschlichen Leben ist.

Da liegt nun so ein Neugeborenes … Ja, wie soll denn das arme Wesen wissen, wie es sich hienieden verhalten soll, wenn man ihm nicht einen Fahrplan in die Hand gibt -? Sagen Sie selbst.

Und dabei gäbe es doch so viel, so unendlich viel Einfaches zu sagen. Und zwar lauter Sachen, die für eine mittlere Ewigkeit hinreichen – denn die Natur des Menschen ändert sich nicht, nur ihre Formen ändern sich. In Balthasar Gracians Handorakel (vom alten Schopenhauer übersetzt) stehen so einige Dinge – wenn man die beherzigt, kommt man schon ein ganz gutes Stück weiter.

Warum schreibt zum Beispiel nicht einmal ein alter gebauter Fuchs, dessen Fell das Leben gegerbt hat, was man alles mit dem Menschen nicht tun darf! Wie verletzlich sie sind; wie man sie niemals necken soll; wie man immer
so tun muß, als höre man zu (Zuhörenkönnen ist überhaupt die halbe Lebensweisheit) – keiner schreibt einem das auf. Und da machen denn
die Leute einen Haufen Dummheiten und wundern sich, daß sie nicht Regierungsrat werden, und wenn sie alt sind und es bei weitem zu spät ist, dann kommen sie langsam hinter den Dreh und halten ihren Kindern lange Vorträge, wie man es machen müsse, um etwas zu erreichen. Und die guten Kinder denken: »Wenn du so klug bist – warum hastn du dann nicht selber …?« und wenden sich ab und hören nicht zu. Sie wissen das nicht,
daß vom Zuhören …

Keiner schreibt es ihnen auf. So ein Büchlein müßte die konzentrierteste Lebensweisheit enthalten, mit einer Aphorismensammlung hat das gar nichts zu tun, beileibe nicht. Es müßten wirklich so goldene Regeln sein, wie etwa die, die der Weltreisende Richard Katz einmal gegeben hat: »Vor jeder großen Reise sich die Zähne reparieren lassen.« Das ist kein Aphorismus – das ist
eine (schmerzlich) gewonnene Erfahrung. So ein Buch müßte das sein.

»Sagen Sie … Herr Panter … was ich sagen wollte: Warum schreiben Sie denn das nicht?« – »Ich? Als wie ich? Werter Herr… haben Sie schon mal einen Pokerspieler gesehen, der vor dem Spiel und während des Spieles Ihnen genau erzählt, wie er blufft?

Na, also?«

Kurt Tucholsky – 1930

 

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Wer Spaß daran hat, Städte – in diesem Fall Dublin – literarisch zu entdecken, dem lege ich diese drei illustrierten Bändchen (englisch) von AtItAgain! ans Herz:

„Romping through Ulysses

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At it Again! Romping through Ulysses Inside_1

„Romping through Dracula

Romping through Dracula by At it Again! RRP €8 low res  72a

„Romping through Dorian Gray

Romping Through DorianGray by At it Again! RRP €8 low  res 72a

AtItAgain! führt uns mit diesen Heften im praktischenTaschenformat auf unterhaltsame Weise durchs Dublin von James Joyce, Bram Stoker und Oscar Wilde.

Am 1. Februar 2016 erscheint ein weiteres Bändchen  – „Romping through Dubliners“ -, in dem AtItAgain! mit uns durch die 15 Erzählungen „tobt“, in denen James Joyce die Welt des Kleinbürgertums im Dublin der Jahrhundertwende beschreibt.
http://atitagain.ie/exploring-dublin-with-james-joyces-dubliners/

Zur Zeit ist AtItAgain! mit einem Stand auf der Messe „Showcase„, Irlands internationaler Kreativmesse in Dublin (24.-27.Januar 2016), vertreten:
http://www.showcaseireland.com/exhibitors/info/at-it-again

Homepage: http://www.atitagain.ie/
Facebook :  http://www.facebook.com/atitagain/
Twitter:       http://twitter.com/AtitAgainDublin
Etsy:           http://www.etsy.com/de/shop/AtitAgainDublin

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…war die erste Situationskomödie – neudeutsch: Sitcom -, die in den 50er Jahren von CBS (Columbia Broadcasting System) vor Publikum aufgezeichnet wurde – die Lacher waren also echt.
Alles dreht sich in dieser Show um die rothaarige Hausfrau Lucy Ricardo geb. McGillicudy (Lucille Ball) und ihren Mann kubanischer Herkunft Ricky Ricardo, Entertainer im Nachtclub Tropicana (Desi Arnaz). Rickys Freunde Fred und Ethel Mertz sind in allen Folgen ihre streitsüchtigen treuen Begleiter. Gespielt werden sie von William Frawley und Vivian Vance.
.
In dieser Folge hat Ricky Probleme mit dem Englischen. Übrigens sind Sprachprobleme nicht nur in dieser Folge ein Streitpunkt, denn auch Lucy hat Probleme mit der Muttersprache ihres Mannes.
Nach Rickys Problemen mit der Aussprache im Englischen habe ich diesen Aussprache-Guide aus dem Netz gefischt: Forvo
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Das einzige Filmmaterial von „Behind-the-Scenes“ der legendären Sitcom,
das überlebt hat – in Schwarz/Weiß + Farbe.

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Das Fünfte.
1. Adam und sein liebes Weib kamen einst in einen Streit,
keins einander weichen wollt, wer das Bettchen machen sollt,
jedes sprach: ich habe Recht, ich bin Herr und du bist Knecht.

2. Adam zu der Eva sprach: nun wohlan, es sey der Sach
zwischen uns also gethan, wer am längsten schweigen kann,
soll der Arbeit seyn befreyt immer und in Ewigkeit.

3. Beyde setzten sich allein, keines sprach ein Wörtelein,
Eva setzt sich auf den Stock, Adam aber auf den Block;
was geschah nun ferner da, Adam sich das bald versah.

4. Adam seiner Sachen lang, bey dem Block herunter hang,
dieses ward die Katz gewahr, still geschwiegen kam sie dar,
spielte sachte ohngefähr mit der Sache hin und her.

5. Als nun Eva das vernahm, sie bald einen Zorn bekam;
Eva könnt nicht länger schweigen, fing an überlaut zu schreyen:
Adam, zieh den Zipfel auf, denn die Katze lauert drauf.

6. Adam der stund auf behende, lacht‘ und schlug in seine Hände:
Nun hast du das Spiel gebrochen, das kannst du nicht widersprechen,
siehst du nun, daß dein Geschlecht zum Bettmachen sey gerecht.

7. Ein gemeines Sprichwort ist, nichts geht über die Weiberlist,
solches hat erfahren dort Adam auch an seinem Ort,
da die Weiber insgesammt zum Bettmachen seyn verdammt.

8. Eva war voll List und Zorn, lief geschwind an einen Born,
der in ihrem Garten war, darin wuchsen lauter Haar,
tauchte ihren Finger drein, und stellt sich ganz Engel rein.

9. Adam schlief und nichts empfand, Eva gar bald bey ihm stand,
streichte seine Backen an, alsobald wuchsen Haare dran,
das erfreute ihr Gemüth, daß die Kunst so wohl gerieth.

10. Sie fuhr fort in ihrem Sinn, lief geschwinde wieder hin,
schöpfte eine volle Hand, still geschwiegen an der Wand,
wollte Adam noch mehr schmieren, und die Kunst noch mehr probiren.

11. Ehe sie nun zu ihm kam, unterwegens sie vernahm,
daß ein Floh ihr heftig auch kitzelt unten an den Bauch,
da goß sie das Wasser drauf, alsbald war sie selber rauch.

12. Unterdessen Adam wacht, und sein’n rauchen Bart betracht,
Eva kam erschrocken her, Adam sahe ungefähr,
daß die Sachen waren rauch unten an der Eva Bauch.

13. Endlich fieng er an zu lachen über diese neuen Sachen,
daß sein Bart und Eva Bauch waren zugleich worden rauch,
jedermann der weiß nunmehr, wo das Rauche kommet her. 

aus dem 1. Band, 9. Kapitel der Natursagen von Oskar Dähnhardt (* 21.11.1870 Kiel, gefallen 25.4.1915 bei Ypern, Germanist, Altphilologe, Volkskundler):
http://www.zeno.org/M%C3%A4rchen/M/Allgemein/Oskar+D%C3%A4hnhardt%3A+Natursagen/1.+Band.+Sagen+zum+alten+Testament/9.+Kapitel%3A+Woher+stammt+des+Mannes+Bart

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Wie Ihr seht, liebe ich auch Dialekte …und Platt ganz besonders. 🙂
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.Der Hase und der Igel.  (Plattdeutsch) 


Disse Geschicht is lögenhaft to vertellen, Jungens, aver wahr is se doch, denn mien Grootvader, van den ick se hew, plegg jümmer, wenn he se mie vortüerde (mit Behaglichkeit vortrug), dabi to seggen „wahr mutt se doch sien, mien Söhn, anners kunn man se jo nich vertellen.“ De Geschicht hett sick aver so todragen.
Et wöor an enen Sündagmorgen tor Harvesttied, jüst as de Bookweeten bloihde: de Sünn wöor hellig upgaen am Hewen, de Morgenwind güng varen över de Stoppeln, de Larken süngen inn’r Lucht, de Immen sumsten in den Bookweeten, un de Lühde güngen in ehren Sündagsstaht nah’r Karken, un alle Creatur wöor vergnögt, un de Swinegel ook.
De Swinegel aver stünd vör siener Döhr, hett de Arm ünnerflagen, keek dabi in den Morgenwind hinut, un quinkeleerde en lütjet Leedken vör sick hin, so good un so slecht as nu eben am leven Sündagmorgen en Swinegel to singen pleggt. Indem he nu noch so half liese vör sick hin sung, füll em up eenmal in he künn ook wol, mittlerwiel sien Fro de Kinner wüsch un antröcke, en beeten in’t Feld spazeeren, un tosehn wie sien Stähkröwen stünden. De Stähkröwen wöoren aver de nöcksten bi sienem Huuse, un he pleggte mit siener Familie davon to eten, darüm sahg he se as de sienigen an. Gesagt gedahn. De Swinegel makte de Huusdöor achter sick to, un slög den Weg nah’n Felde in. He wöor noch nich gans wiet von Huuse, un wull jüst um den Stähbusch (kleines Gebüsch), de dar vör’m Felde liggt, nah den Stähkröwenacker hinup dreien, as em de Haas bemött, de in ähnlichen Geschäften uutgahn wöor, nämlich um sienen Kohl to besehn. As de Swinegel den Haasen ansichtig wöor, so böhd he em en fründlichen go’n Morgen.
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De Haas aver, de up siene Wies en vornehmer Herr was, un grausahm hochfahrtig dabi, antwoorde nicks up den Swinegel sienen Gruß, sondern seggte tom Swinegel, wobi he en gewaltig höhnische Miene annöhm, „wie kummt et denn, dat du hier all bi so frohem Morgen im Felde rumlöppst?“ „Ick gah spazeeren“ segt de Swinegel. „Spazeeren?“ lachde de Haas, „mi ducht du kunst de Been ook wol to betern Dingen gebruuken.“ Disse Antword verdröot den Swinegel ungeheuer, denn alles kunn he verdreegen, aver up siene Been laet he nicks komen, eben weil se von Natuhr scheef wöoren. „Du bildst di wol in,“ seggt nu de Swinegel tom Haasen, „as wenn du mit diene Been mehr utrichten kannst?“ „Dat denk ick“ seggt de Haas. „Dat kummt up’n Versöok an,“ meent de Swinegel, „ick pareer, wenn wie in de Wett loopt, ick loop di vörbi.“ „Dat is tu’m Lachen, du mit diene scheefen Been,“ seggt de Haas, „aver mienetwegen mach’t sien, wenn du so övergroote Lust hest. Wat gilt de Wett?“ „En goldne Lujedor un’n Buddel Branwien“ seggt de Swinegel. „Angenahmen,“ spröok de Haas, „sla in, un denn kann’t gliek los gahn.“ „Nä, so groote Ihl hett et nich,“ meen de Swinegel, „ick bünn noch gans nüchdern; eerst will ick to Huus gahn un en beeten fröhstücken: inner halwen Stünd bün ick wedder hier upp’n Platz.“
Damit güng de Swinegel, denn de Haas wöor et tofreeden. Ünnerweges dachde de Swinegel bi sick „de Haas verlett sick up siene langen Been, aver ick will em wol kriegen. He is zwar ehn förnehm Herr, aver doch man’n dummen Keerl, un betahlen sall he doch.“ As nu de Swinegel to Huuse anköom, spröok he to sien Fro „Fro, treck di gau an, du must mit mi nah’n Felde hinuut.“ „Watt givt et denn?“ seggt sien Fro. „Ick hew mit’n Haasen wett’t üm’n golden Lujedor un’n Buddel Branwien, ick will mit em inn Wett loopen, un da salst du mit dabi sien.“ „O mein Gott, Mann,“ füng nu den Swinegel sien Fro an to schreen, „büst du nich klook, hest du denn ganz den Verstand verlaaren? Wie kannst du mit den Haasen in de Wett loopen wollen?“ „Holt dat Muul, Wief,“ seggt de Swinegel, „dat is mien Saak. Resonehr nich in Männergeschäfte. Marsch, treck di an, un denn kumm mit.“ Wat sull den Swinegel sien Fro maken? se mußt wol folgen, se mugg nu wollen oder nich.
As se nu mit enander ünnerwegs wöoren, spröok de Swinegel to sien Fro „nu pass up, wat ick seggen will. Sühst du, up den langen Acker dar wüll wi unsen Wettloop maken. De Haas löppt nemlich in der eenen Föhr un ick inner andern, un von baben fang wi an to loopen. Nu hast du wieder nicks to dohn as du stellst di hier unnen in de Föhr, un wenn de Haas up di andere Siet ankummt, so röppst du em entgegen „ick bün all hier.“
Damit wöoren se bi den Acker anlangt, de Swinegel wiesde siener Fro ehren Platz an, un gung nu den Acker hinup. As he baben anköm, wöor de Haas all da. „Kann et losgahn?“ seggt de Haas. „Ja wol“ seggt de Swinegel. „Denn man to!“ Un damit stellde jeder sick in siene Föhr. De Haas tellde „hahl een, hahl twee, hahl dree,“ un los güng he wie en Stormwind den Acker hindahl. De Swinegel aver löp ungefähr man dree Schritt, dann dahkde he sick dahl in de Föhr, un bleev ruhig sitten.
As nu de Haas in vullen Loopen ünnen am Acker anköm, röp em den Swinegel sien Fro entgegen „ick bün all hier.“

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De Haas stutzd un verwunderde sick nich wenig: he menede nich anders als et wöor de Swinegel sülvst, de em dat toröp, denn bekanntlich süht den Swinegel sien Fro jüst so uut wie ehr Mann.
De Haas aver meende „datt geiht nich to mit rechten Dingen.“ He röp „nochmal geloopen, wedder üm!“ Un fort güng he wedder wie en Stormwind, datt em de Ohren am Koppe flögen. Den Swinegel sien Fro aver blev ruhig up ehren Platze. As nu de Haas baben anköm, röp em de Swinegel entgegen „ick bün all hier.“ De Haas aver ganz uuter sick vör Ihwer schreede „noch mal gelopen, wedder üm!“ „Mi nich to schlimm,“ antwoorde de Swinegel, „mienetwegen so oft as du Lust hast.“ So löp de Haas noch dree un söbentig mal, un de Swinegel höhl et ümmer mit em uut. Jedesmal, wenn de Haas ünnen oder baben anköm, seggten de Swinegel oder sien Fro „ick bün all hier.“
Tum veer un söbentigsten mal aver köm de Haas nich mehr to ende. Midden am Acker stört he tor Eerde, datt Blohd flög em uutn Halse, un he bleev doot upn Platze. De Swinegel aver nöhm siene gewunnene Lujedor un den Buddel Branwien, röp siene Fro uut der Föhr aff, un beide güngen vergnögt mit enanner nah Huus, un wenn se nich storben sünd, lewt se noch.
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Bilder: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Hase_und_der_Igel
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So begev et sick, datt up der Buxtehuder Heid de Swinegel den Haasen dodt lopen hatt, un sied jener Tied hatt et sick keen Haas wedder infallen laten mit’n Buxtehuder Swinegel in de Wett to lopen.
De Lehre aver uut disser Geschicht ist erstens, datt keener, un wenn he sick ook noch so förnehm dücht, sick sall bikommen laten, övern geringen Mann sick lustig to maken, un wöort ook man’n Swinegel. Un tweetens datt et gerahden is, wenn eener freet, datt he sick ’ne Fro uut sienem Stande nimmt, un de jüst so uutsüht as he sülwst. Wer also en Swinegel is, de mutt tosehn datt siene Fro ook en Swinegel is, un so wieder.
Wilhelm Schröder 1808 -1878
http://de.wikisource.org/wiki/Der_Hase_und_der_Igel_%281843%29 

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Europastadt und die östlichste Stadt Deutschlands ist eine wunderschöne Stadt an der Neiße, die im zweiten Weltkrieg kaum zerstört wurde und die wir schon in einigen Filmen bewundern durften, wie zum Beispiel in dem 2002 gedrehten Film „In 80 Tagen um die Welt“ als Paris des 19. Jahrhunderts oder in dem Film „Der Vorleser“ als Heidelberg des Jahres 1950. 
https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6rlitz
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„Ein junger Handwerksbursche, der gerade auf der Wanderschaft unterwegs war, kam an einem Spätnachmittag zum Stadttore hinein. Die Tür zur Klosterkirche am Obermarkt stand offen, und weil es gerade zur Abendmesse läutete, trat der Wanderer mit ein. Vom weiten Weg müde, lehnte er den Kopf an eine Bank und schlummerte unversehens ein. Er fiel niemand auf, und nicht einmal der Pförtner bemerkte ihn mehr, als er die Tür abschloss. …“ 
so beginnt „Die Sage vom Kötzelmönch“ aus Görlitz. 
http://www.goerlitz.de/de/stadtleben/stadtgeschichte/sagen/die-sage-vom-kloetzelmoench.html

Diese schöne, so gut erhaltene alte Stadt möchte man am liebsten sofort besuchen. Jedenfalls mir geht es so. Allerdings dann doch lieber auf unsere moderne Art per Auto oder Zug und nicht auf Schusters Rappen wie der junge Handwerksbursche und ich denke, auch nicht so, wie Gustav Freytag (1816-1895) das Reisen im 18. Jahrhundert in seinem „Bilder aus der deutschen Vergangenheit“ beschreibt und es eigentlich ja dem Alter Görlitz’ angemessen wäre. 

…“Unter den Tagesereignissen ist das interessanteste Ankunft und Abfahrt des Postwagens. Gern bewegt sich der Spaziergänger um diese Zeit in der Nähe der Post. Die gewöhnliche Landpost ist ein sehr langsames, unbehilfliches Beförderungsmittel, ihr Schneckengang ist noch fünfzig Jahre später berüchtigt; Kunststraßen gibt es nirgends in Deutschland, erst nach dem Siebenjährigen Krieg werden die ersten Chausseen gebaut, auch diese schlecht. Wer bequem reisen will, nimmt Extrapost; sorgfältig wird darauf gehalten, zu größerer Geldersparnis alle Plätze zu besetzen, und in den Lokalblättern, welche seit kurzer Zeit in den meisten größeren Städten und Residenzen existieren, wird zuweilen ein Reisegefährte gesucht. Zu weiten Reisen werden eigens Wagen gekauft, am Ende der Reise wieder verkauft; die schlechten Wege geben den Posthaltern das Recht, auch einem leichten Wagen vier Pferde vorzuspannen, dann ist es wohl eine Bevorzugung des Reisenden, wenn ihm von der Regierung eine Lizenz gegeben wird, nur zwei Pferde Extrapost nehmen zu dürfen. Wer nicht so wohlhabend ist, sucht einen Retourwagen, solche Reisegelegenheiten werden mehrere Tage vorher angekündigt. Ist zwischen zwei Orten starke Verbindung, so gehen außer der ordinären Post und einer schnelleren Postkutsche auch konzessionierte Landkutschen an bestimmten Tagen. Sie vorzugsweise vermitteln den Personenverkehr des Volkes. Von Dresden nach Berlin im Jahre 1750 alle vierzehn Tage, nach Altenburg, Chemnitz, Freiberg, Zwickau einmal wöchentlich; nach Bautzen und Görlitz war die Zahl der Passagiere nicht so sicher, daß der Kutscher jede Woche an bestimmtem Tag abgehen konnte; nach Meißen gingen das grüne und das rote Marktschiff, jedes einmal wöchentlich hin und zurück. Man reiste auch mit der besten Fuhre sehr langsam. Fünf Meilen den Tag, zwei Stunden die Meile scheint der gewöhnliche Fortschritt gewesen zu sein. Eine Entfernung von zwanzig Meilen war zu Wagen nicht unter drei Tagen zu durchmessen, in der Regel wurden vier dazu gebraucht. Als im Juli des Jahres, welches hier geschildert wird, Klopstock mit Gleim in leichtem Wagen durch vier Pferde gezogen, von Halberstadt nach Magdeburg sechs Meilen in sechs Stunden fuhr, fand er die Schnelligkeit so außerordentlich, daß er sie mit dem Wettlauf der olympischen Spiele verglich. Waren aber die Landstraßen gerade schlecht, was in der Regenzeit des Frühlings und Herbstes regelmäßig eintrat, so vermied man die Reise, betrachtete die unvermeidliche als ein Wagnis, bei dem es ohne schmerzliche Abenteuer selten abging. Im Jahre 1764 war den Hannoveranern merkwürdig, daß ihre Gesandtschaft zur Kaiserkrönung trotz der schlechten Wege ohne allen Schaden, Umwerfen und Beinbruch, nach Frankfurt a. M. durchgedrungen war, nur eine Achse war zerbrochen. – So ist die Reise ein wohl zu überlegendes Unternehmen, welches schwerlich ohne längere Vorbereitungen durchgeführt wird; und das Eintreffen fremder Reisender in einer Stadt ist ein Tagesereignis; neugierig umsteht die Menge den anhaltenden Wagen. Nur in den größeren Handelsstädten sind die Gasthöfe modisch eingerichtet, Leipzig ist deswegen berühmt. Gern kehrte man bei Bekannten ein, in steter Rücksicht auf die Kosten, denn auch wer reiste, der rechnete genau. Aber wer irgend Ansprüche machte, scheute eine Fußreise, die Unsicherheit, unsaubere Herbergen und rohe Begegnung; noch waren wohlgekleidete Fußreisende, welche die Landschaft bewunderten, ganz unerhört.“…  http://gutenberg.spiegel.de/buch/3712/48

Übrigens… der Kabarettist Werner Finck (1902-1978) war Görlitzer:

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PROSIT  NEUJAHR !
Euch allen wünsche ich  ein glückliches, gesundes,  erfolgreiches,
kreatives und friedliches Jahr 2013!

Wenn Ihr wie ich Animationen liebt, müsst Ihr Euch diesen kurzen Film
von Bexie Bush und den Lehnsesseln Eric und Lyn 
 unbedingt ansehen. 🙂

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